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	<title>Mittel- und Neulatein macht Schule! - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<title>Desiderius Erasmus von Rotterdam: Iulius exclusus e coelis</title>
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		<updated>2023-02-12T10:02:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Gorbs: /* 3. Weiterführende Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== 1. Der Autor und das Werk ==&lt;br /&gt;
Erasmus von Rotterdam (1466-1536) ist mit Sicherheit einer der bekanntesten und einflussreichen Humanisten. Oft wird er als Fürst der&lt;br /&gt;
Humanisten bezeichnet. Ohne ihn ist die Renaissance und die Reformation kaum denkbar und somit eine zentrale Figur in der Entstehung der&lt;br /&gt;
heutigen Europas. Seine Schriften und Einflüße erstrecken sich von der Theologie über Philologie bis zur Philosophie. Die Schrift Julius exclusus&lt;br /&gt;
zählt neben den Adagia, dem Enchiridion und dem Lob der Torheit zu seinen berühmtesten Werken. Erasmus übte zwar eine starke Kritik an der&lt;br /&gt;
Korruption des Papsttums und der Kurie Roms aus, lehnte dennoch diese Institutionen an sich nicht ab und distanzierte sich sowohl aus einer&lt;br /&gt;
kirchlichen als auch einer theologischen Perspektive von den Ansätzen Luthers. In Bezug auf die Frage nach dem freien Willen oder dem Sinn&lt;br /&gt;
der Kirche vertraten sie gegensätzliche Ansichten. Der Ablasshandel und die Verweltlichung der Kirche war aber für beide ein Dorn im Auge. In&lt;br /&gt;
dieser Hinsicht waren die Argumente von Erasmus für die Anhänger der Reformation sehr interessant und gut zu gebrauchen. Die Tragweite&lt;br /&gt;
seiner eigenen Gedanken war für Erasmus selbst problematisch, der die Kirche und das Papsttum trotz aller Kritik im Kerne verteidigte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2. Iulius exclusus e coelis ==&lt;br /&gt;
Iulius exclusus e coelis ist ein satirischer Dialog, der Erasmus von Rotterdam zugeschrieben wird. Der Papst mit einem Schar bewaffneter&lt;br /&gt;
Soldaten klopft an die Himmelstür, wo ein Gespräch mit Petrus, dem Wärter der Himmelstore, stattfindet. Der christlichen Vorstellung nach&lt;br /&gt;
obliegt dem Heiligen Petrus die Entscheidung, ob man nach dem Tod den Himmel betreten oder nicht. Vom ersten Satz an entpuppt sich der&lt;br /&gt;
gestorbene Papst Julius als ein treues Abbild des Antichristen. Julius ist der Inbegriff dessen, was ein guter Christ der Lehre Christi nach&lt;br /&gt;
verachten sollte und repräsentiert auf diese Weise den Untergang der Kirche Roms. Andererseits gilt Julius als Erneuerer Roms und Mäzen von&lt;br /&gt;
Künstlern. Er war der Bauherr der neuen Peterskirche und vermehrte durch seinen Ehrgeiz die Macht und Pracht der Kirche und des&lt;br /&gt;
Kirchenstaates. Julius gründete 1506 die päpstliche Leibwache Schweizergarde, die man im Dialog als latrones exercitatissimos auf seiner Seite&lt;br /&gt;
erkennen kann. Er verstand das Amt des Papsttums eher im Sinn eines italienischen Territorialfürstes und beschäftigte sich intensiv mit&lt;br /&gt;
Kriegszügen und Bündnispolitik. Theologie, Glauben und Verachtung des Welt stellten also nicht seine Schwerpunkte dar. Mit dem Dialog wird&lt;br /&gt;
das Papsttum und die Kurie Roms an den Pranger gestellt. Verweltlichung, Machtbesessenheit, Simonie, Mord, Blutschande, Gottlosigkeit... es&lt;br /&gt;
gibt kaum ein Laster bzw. ein verwerfliches Verhalten, das sich die Kirche nicht habe zu schulden kommen lassen. Da eine scharfe und direkte Kritik an&lt;br /&gt;
dem Papst zur Verfassungszeit nicht ohne Folgen geblieben wäre, erschien die satirische Schrift anonym und ohne Zeit- und Ortsangabe. Die&lt;br /&gt;
Autorschaft Erasmus gilt dennoch in der Forschung aus mehreren Gründen als gesichert. Die Ersterscheinung des Dialogs ist mit großer&lt;br /&gt;
Wahrscheinlichkeit 1517, im Jahr also des Thesenanschlag. Die Anhänger der damals entstehenden Reformation sahen in der Schrift eine Waffe&lt;br /&gt;
gegen das Papsttums und die Verweltlichung der Kirche Roms.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 3. Weiterführende Literatur ==&lt;br /&gt;
Zur Einführung J. Huizinga: Erasmus, Basel 1928.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Dialog: P. Fabisch: Iulius exclusus e coelis. Motive und Tendenzen gallikanischer und bibelhumanistischer Papstkritik im Umfeld des Erasmus. Münster 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 4. Download ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Iulius_exclusus.docx|als docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Iulius_exclusus.pdf|als pdf]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Julius exclusus e coelis|Julius exclusus e coelis]]&lt;br /&gt;
[[Category:Reformation|Reformation]]&lt;br /&gt;
[[Category:Erasmus von Rotterdam|Erasmus von Rotterdam]]&lt;br /&gt;
[[Category:Papstkritik|Papstkritik]]&lt;br /&gt;
[[Category:16. Jahrhundert|16. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:Dialog|Dialog]]&lt;br /&gt;
[[Category:Satire|Satire]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Gorbs: /* 3. Weiterführende Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== 1. Der Autor und das Werk ==&lt;br /&gt;
Erasmus von Rotterdam (1466-1536) ist mit Sicherheit einer der bekanntesten und einflussreichen Humanisten. Oft wird er als Fürst der&lt;br /&gt;
Humanisten bezeichnet. Ohne ihn ist die Renaissance und die Reformation kaum denkbar und somit eine zentrale Figur in der Entstehung der&lt;br /&gt;
heutigen Europas. Seine Schriften und Einflüße erstrecken sich von der Theologie über Philologie bis zur Philosophie. Die Schrift Julius exclusus&lt;br /&gt;
zählt neben den Adagia, dem Enchiridion und dem Lob der Torheit zu seinen berühmtesten Werken. Erasmus übte zwar eine starke Kritik an der&lt;br /&gt;
Korruption des Papsttums und der Kurie Roms aus, lehnte dennoch diese Institutionen an sich nicht ab und distanzierte sich sowohl aus einer&lt;br /&gt;
kirchlichen als auch einer theologischen Perspektive von den Ansätzen Luthers. In Bezug auf die Frage nach dem freien Willen oder dem Sinn&lt;br /&gt;
der Kirche vertraten sie gegensätzliche Ansichten. Der Ablasshandel und die Verweltlichung der Kirche war aber für beide ein Dorn im Auge. In&lt;br /&gt;
dieser Hinsicht waren die Argumente von Erasmus für die Anhänger der Reformation sehr interessant und gut zu gebrauchen. Die Tragweite&lt;br /&gt;
seiner eigenen Gedanken war für Erasmus selbst problematisch, der die Kirche und das Papsttum trotz aller Kritik im Kerne verteidigte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2. Iulius exclusus e coelis ==&lt;br /&gt;
Iulius exclusus e coelis ist ein satirischer Dialog, der Erasmus von Rotterdam zugeschrieben wird. Der Papst mit einem Schar bewaffneter&lt;br /&gt;
Soldaten klopft an die Himmelstür, wo ein Gespräch mit Petrus, dem Wärter der Himmelstore, stattfindet. Der christlichen Vorstellung nach&lt;br /&gt;
obliegt dem Heiligen Petrus die Entscheidung, ob man nach dem Tod den Himmel betreten oder nicht. Vom ersten Satz an entpuppt sich der&lt;br /&gt;
gestorbene Papst Julius als ein treues Abbild des Antichristen. Julius ist der Inbegriff dessen, was ein guter Christ der Lehre Christi nach&lt;br /&gt;
verachten sollte und repräsentiert auf diese Weise den Untergang der Kirche Roms. Andererseits gilt Julius als Erneuerer Roms und Mäzen von&lt;br /&gt;
Künstlern. Er war der Bauherr der neuen Peterskirche und vermehrte durch seinen Ehrgeiz die Macht und Pracht der Kirche und des&lt;br /&gt;
Kirchenstaates. Julius gründete 1506 die päpstliche Leibwache Schweizergarde, die man im Dialog als latrones exercitatissimos auf seiner Seite&lt;br /&gt;
erkennen kann. Er verstand das Amt des Papsttums eher im Sinn eines italienischen Territorialfürstes und beschäftigte sich intensiv mit&lt;br /&gt;
Kriegszügen und Bündnispolitik. Theologie, Glauben und Verachtung des Welt stellten also nicht seine Schwerpunkte dar. Mit dem Dialog wird&lt;br /&gt;
das Papsttum und die Kurie Roms an den Pranger gestellt. Verweltlichung, Machtbesessenheit, Simonie, Mord, Blutschande, Gottlosigkeit... es&lt;br /&gt;
gibt kaum ein Laster bzw. ein verwerfliches Verhalten, das sich die Kirche nicht habe zu schulden kommen lassen. Da eine scharfe und direkte Kritik an&lt;br /&gt;
dem Papst zur Verfassungszeit nicht ohne Folgen geblieben wäre, erschien die satirische Schrift anonym und ohne Zeit- und Ortsangabe. Die&lt;br /&gt;
Autorschaft Erasmus gilt dennoch in der Forschung aus mehreren Gründen als gesichert. Die Ersterscheinung des Dialogs ist mit großer&lt;br /&gt;
Wahrscheinlichkeit 1517, im Jahr also des Thesenanschlag. Die Anhänger der damals entstehenden Reformation sahen in der Schrift eine Waffe&lt;br /&gt;
gegen das Papsttums und die Verweltlichung der Kirche Roms.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 3. Weiterführende Literatur ==&lt;br /&gt;
Zur Einführung J. Huizinga: Erasmus, Basel 1928.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Dialog: P. Fabisch: Iulius exclusus e coelis. Motive und Tendenzen gallikanischer und bibelhumanistischer Papstkritik im Umfeld des Erasmus. Münster, 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 4. Download ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Iulius_exclusus.docx|als docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Iulius_exclusus.pdf|als pdf]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Julius exclusus e coelis|Julius exclusus e coelis]]&lt;br /&gt;
[[Category:Reformation|Reformation]]&lt;br /&gt;
[[Category:Erasmus von Rotterdam|Erasmus von Rotterdam]]&lt;br /&gt;
[[Category:Papstkritik|Papstkritik]]&lt;br /&gt;
[[Category:16. Jahrhundert|16. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:Dialog|Dialog]]&lt;br /&gt;
[[Category:Satire|Satire]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Gorbs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== 1. Der Autor und das Werk ==&lt;br /&gt;
Erasmus von Rotterdam (1466-1536) ist mit Sicherheit einer der bekanntesten und einflussreichen Humanisten. Oft wird er als Fürst der&lt;br /&gt;
Humanisten bezeichnet. Ohne ihn ist die Renaissance und die Reformation kaum denkbar und somit eine zentrale Figur in der Entstehung der&lt;br /&gt;
heutigen Europas. Seine Schriften und Einflüße erstrecken sich von der Theologie über Philologie bis zur Philosophie. Die Schrift Julius exclusus&lt;br /&gt;
zählt neben den Adagia, dem Enchiridion und dem Lob der Torheit zu seinen berühmtesten Werken. Erasmus übte zwar eine starke Kritik an der&lt;br /&gt;
Korruption des Papsttums und der Kurie Roms aus, lehnte dennoch diese Institutionen an sich nicht ab und distanzierte sich sowohl aus einer&lt;br /&gt;
kirchlichen als auch einer theologischen Perspektive von den Ansätzen Luthers. In Bezug auf die Frage nach dem freien Willen oder dem Sinn&lt;br /&gt;
der Kirche vertraten sie gegensätzliche Ansichten. Der Ablasshandel und die Verweltlichung der Kirche war aber für beide ein Dorn im Auge. In&lt;br /&gt;
dieser Hinsicht waren die Argumente von Erasmus für die Anhänger der Reformation sehr interessant und gut zu gebrauchen. Die Tragweite&lt;br /&gt;
seiner eigenen Gedanken war für Erasmus selbst problematisch, der die Kirche und das Papsttum trotz aller Kritik im Kerne verteidigte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2. Iulius exclusus e coelis ==&lt;br /&gt;
Iulius exclusus e coelis ist ein satirischer Dialog, der Erasmus von Rotterdam zugeschrieben wird. Der Papst mit einem Schar bewaffneter&lt;br /&gt;
Soldaten klopft an die Himmelstür, wo ein Gespräch mit Petrus, dem Wärter der Himmelstore, stattfindet. Der christlichen Vorstellung nach&lt;br /&gt;
obliegt dem Heiligen Petrus die Entscheidung, ob man nach dem Tod den Himmel betreten oder nicht. Vom ersten Satz an entpuppt sich der&lt;br /&gt;
gestorbene Papst Julius als ein treues Abbild des Antichristen. Julius ist der Inbegriff dessen, was ein guter Christ der Lehre Christi nach&lt;br /&gt;
verachten sollte und repräsentiert auf diese Weise den Untergang der Kirche Roms. Andererseits gilt Julius als Erneuerer Roms und Mäzen von&lt;br /&gt;
Künstlern. Er war der Bauherr der neuen Peterskirche und vermehrte durch seinen Ehrgeiz die Macht und Pracht der Kirche und des&lt;br /&gt;
Kirchenstaates. Julius gründete 1506 die päpstliche Leibwache Schweizergarde, die man im Dialog als latrones exercitatissimos auf seiner Seite&lt;br /&gt;
erkennen kann. Er verstand das Amt des Papsttums eher im Sinn eines italienischen Territorialfürstes und beschäftigte sich intensiv mit&lt;br /&gt;
Kriegszügen und Bündnispolitik. Theologie, Glauben und Verachtung des Welt stellten also nicht seine Schwerpunkte dar. Mit dem Dialog wird&lt;br /&gt;
das Papsttum und die Kurie Roms an den Pranger gestellt. Verweltlichung, Machtbesessenheit, Simonie, Mord, Blutschande, Gottlosigkeit... es&lt;br /&gt;
gibt kaum ein Laster bzw. ein verwerfliches Verhalten, das sich die Kirche nicht habe zu schulden kommen lassen. Da eine scharfe und direkte Kritik an&lt;br /&gt;
dem Papst zur Verfassungszeit nicht ohne Folgen geblieben wäre, erschien die satirische Schrift anonym und ohne Zeit- und Ortsangabe. Die&lt;br /&gt;
Autorschaft Erasmus gilt dennoch in der Forschung aus mehreren Gründen als gesichert. Die Ersterscheinung des Dialogs ist mit großer&lt;br /&gt;
Wahrscheinlichkeit 1517, im Jahr also des Thesenanschlag. Die Anhänger der damals entstehenden Reformation sahen in der Schrift eine Waffe&lt;br /&gt;
gegen das Papsttums und die Verweltlichung der Kirche Roms.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 3. Weiterführende Literatur ==&lt;br /&gt;
Zur Einführung J. Huizinga: Erasmus, Basel 1928.&lt;br /&gt;
Zum Dialog: P. Fabisch: Iulius exclusus e coelis. Motive und Tendenzen gallikanischer und bibelhumanistischer Papstkritik im Umfeld des Erasmus. Münster, 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 4. Download ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Iulius_exclusus.docx|als docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Iulius_exclusus.pdf|als pdf]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Julius exclusus e coelis|Julius exclusus e coelis]]&lt;br /&gt;
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		<updated>2023-02-12T09:55:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Gorbs: /* 2. Julius exclusus e coelis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== 1. Der Autor und das Werk ==&lt;br /&gt;
Erasmus von Rotterdam (1466-1536) ist mit Sicherheit einer der bekanntesten und einflussreichen Humanisten. Oft wird er als Fürst der&lt;br /&gt;
Humanisten bezeichnet. Ohne ihn ist die Renaissance und die Reformation kaum denkbar und somit eine zentrale Figur in der Entstehung der&lt;br /&gt;
heutigen Europas. Seine Schriften und Einflüße erstrecken sich von der Theologie über Philologie bis zur Philosophie. Die Schrift Julius exclusus&lt;br /&gt;
zählt neben den Adagia, dem Enchiridion und dem Lob der Torheit zu seinen berühmtesten Werken. Erasmus übte zwar eine starke Kritik an der&lt;br /&gt;
Korruption des Papsttums und der Kurie Roms aus, lehnte dennoch diese Institutionen an sich nicht ab und distanzierte sich sowohl aus einer&lt;br /&gt;
kirchlichen als auch einer theologischen Perspektive von den Ansätzen Luthers. In Bezug auf die Frage nach dem freien Willen oder dem Sinn&lt;br /&gt;
der Kirche vertraten sie gegensätzliche Ansichten. Der Ablasshandel und die Verweltlichung der Kirche war aber für beide ein Dorn im Auge. In&lt;br /&gt;
dieser Hinsicht waren die Argumente von Erasmus für die Anhänger der Reformation sehr interessant und gut zu gebrauchen. Die Tragweite&lt;br /&gt;
seiner eigenen Gedanken war für Erasmus selbst problematisch, der die Kirche und das Papsttum trotz aller Kritik im Kerne verteidigte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2. Iulius exclusus e coelis ==&lt;br /&gt;
Iulius exclusus e coelis ist ein satirischer Dialog, der Erasmus von Rotterdam zugeschrieben wird. Der Papst mit einem Schar bewaffneter&lt;br /&gt;
Soldaten klopft an die Himmelstür, wo ein Gespräch mit Petrus, dem Wärter der Himmelstore, stattfindet. Der christlichen Vorstellung nach&lt;br /&gt;
obliegt dem Heiligen Petrus die Entscheidung, ob man nach dem Tod den Himmel betreten oder nicht. Vom ersten Satz an entpuppt sich der&lt;br /&gt;
gestorbene Papst Julius als ein treues Abbild des Antichristen. Julius ist der Inbegriff dessen, was ein guter Christ der Lehre Christi nach&lt;br /&gt;
verachten sollte und repräsentiert auf diese Weise den Untergang der Kirche Roms. Andererseits gilt Julius als Erneuerer Roms und Mäzen von&lt;br /&gt;
Künstlern. Er war der Bauherr der neuen Peterskirche und vermehrte durch seinen Ehrgeiz die Macht und Pracht der Kirche und des&lt;br /&gt;
Kirchenstaates. Julius gründete 1506 die päpstliche Leibwache Schweizergarde, die man im Dialog als latrones exercitatissimos auf seiner Seite&lt;br /&gt;
erkennen kann. Er verstand das Amt des Papsttums eher im Sinn eines italienischen Territorialfürstes und beschäftigte sich intensiv mit&lt;br /&gt;
Kriegszügen und Bündnispolitik. Theologie, Glauben und Verachtung des Welt stellten also nicht seine Schwerpunkte dar. Mit dem Dialog wird&lt;br /&gt;
das Papsttum und die Kurie Roms an den Pranger gestellt. Verweltlichung, Machtbesessenheit, Simonie, Mord, Blutschande, Gottlosigkeit... es&lt;br /&gt;
gibt kaum ein Laster bzw. ein verwerfliches Verhalten, das sich die Kirche nicht habe zu schulden kommen lassen. Da eine scharfe und direkte Kritik an&lt;br /&gt;
dem Papst zur Verfassungszeit nicht ohne Folgen geblieben wäre, erschien die satirische Schrift anonym und ohne Zeit- und Ortsangabe. Die&lt;br /&gt;
Autorschaft Erasmus gilt dennoch in der Forschung aus mehreren Gründen als gesichert. Die Ersterscheinung des Dialogs ist mit großer&lt;br /&gt;
Wahrscheinlichkeit 1517, im Jahr also des Thesenanschlag. Die Anhänger der damals entstehenden Reformation sahen in der Schrift eine Waffe&lt;br /&gt;
gegen das Papsttums und die Verweltlichung der Kirche Roms.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 3. Weiterführende Literatur ==&lt;br /&gt;
Zur Einführung J. Huizinga: Erasmus, Basel 1928.&lt;br /&gt;
Zum Dialog: P. Fabisch: Iulius exclusus e coelis. Motive und Tendenzen gallikanischer und bibelhumanistischer Papstkritik im Umfeld des Erasmus. Münster, 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 4. Download ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Julius_exclusus.docx|als docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Julius_exclusus..pdf|als pdf]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Julius exclusus e coelis|Julius exclusus e coelis]]&lt;br /&gt;
[[Category:Reformation|Reformation]]&lt;br /&gt;
[[Category:Erasmus von Rotterdam|Erasmus von Rotterdam]]&lt;br /&gt;
[[Category:Papstkritik|Papstkritik]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Gorbs</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Gorbs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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		<author><name>Gorbs</name></author>
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		<updated>2023-02-12T09:43:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Gorbs: Die Seite wurde neu angelegt: „== 1. Der Autor und das Werk == Erasmus von Rotterdam (1466-1536) ist mit Sicherheit einer der bekanntesten und einflussreichen Humanisten. Oft wird er als Fü…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== 1. Der Autor und das Werk ==&lt;br /&gt;
Erasmus von Rotterdam (1466-1536) ist mit Sicherheit einer der bekanntesten und einflussreichen Humanisten. Oft wird er als Fürst der&lt;br /&gt;
Humanisten bezeichnet. Ohne ihn ist die Renaissance und die Reformation kaum denkbar und somit eine zentrale Figur in der Entstehung der&lt;br /&gt;
heutigen Europas. Seine Schriften und Einflüße erstrecken sich von der Theologie über Philologie bis zur Philosophie. Die Schrift Julius exclusus&lt;br /&gt;
zählt neben den Adagia, dem Enchiridion und dem Lob der Torheit zu seinen berühmtesten Werken. Erasmus übte zwar eine starke Kritik an der&lt;br /&gt;
Korruption des Papsttums und der Kurie Roms aus, lehnte dennoch diese Institutionen an sich nicht ab und distanzierte sich sowohl aus einer&lt;br /&gt;
kirchlichen als auch einer theologischen Perspektive von den Ansätzen Luthers. In Bezug auf die Frage nach dem freien Willen oder dem Sinn&lt;br /&gt;
der Kirche vertraten sie gegensätzliche Ansichten. Der Ablasshandel und die Verweltlichung der Kirche war aber für beide ein Dorn im Auge. In&lt;br /&gt;
dieser Hinsicht waren die Argumente von Erasmus für die Anhänger der Reformation sehr interessant und gut zu gebrauchen. Die Tragweite&lt;br /&gt;
seiner eigenen Gedanken war für Erasmus selbst problematisch, der die Kirche und das Papsttum trotz aller Kritik im Kerne verteidigte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2. Julius exclusus e coelis ==&lt;br /&gt;
Iulius exclusus e coelis ist ein satirischer Dialog, der Erasmus von Rotterdam zugeschrieben wird. Der Papst mit einem Schar bewaffneter&lt;br /&gt;
Soldaten klopft an die Himmelstür, wo ein Gespräch mit Petrus, dem Wärter der Himmelstore, stattfindet. Der christlichen Vorstellung nach&lt;br /&gt;
obliegt dem Heiligen Petrus die Entscheidung, ob man nach dem Tod den Himmel betreten oder nicht. Vom ersten Satz an entpuppt sich der&lt;br /&gt;
gestorbene Papst Julius als ein treues Abbild des Antichristen. Julius ist der Inbegriff dessen, was ein guter Christ der Lehre Christi nach&lt;br /&gt;
verachten sollte und repräsentiert auf diese Weise den Untergang der Kirche Roms. Andererseits gilt Julius als Erneuerer Roms und Mäzen von&lt;br /&gt;
Künstlern. Er war der Bauherr der neuen Peterskirche und vermehrte durch seinen Ehrgeiz die Macht und Pracht der Kirche und des&lt;br /&gt;
Kirchenstaates. Julius gründete 1506 die päpstliche Leibwache Schweizergarde, die man im Dialog als latrones exercitatissimos auf seiner Seite&lt;br /&gt;
erkennen kann. Er verstand das Amt des Papsttums eher im Sinn eines italienischen Territorialfürstes und beschäftigte sich intensiv mit&lt;br /&gt;
Kriegszügen und Bündnispolitik. Theologie, Glauben und Verachtung des Welt stellten also nicht seine Schwerpunkte dar. Mit dem Dialog wird&lt;br /&gt;
das Papsttum und die Kurie Roms an den Pranger gestellt. Verweltlichung, Machtbesessenheit, Simonie, Mord, Blutschande, Gottlosigkeit... es&lt;br /&gt;
gibt kaum ein Laster bzw. ein verwerfliches Verhalten, das sich die Kirche nicht habe zu schulden kommen lassen. Da eine scharfe und direkte Kritik an&lt;br /&gt;
dem Papst zur Verfassungszeit nicht ohne Folgen geblieben wäre, erschien die satirische Schrift anonym und ohne Zeit- und Ortsangabe. Die&lt;br /&gt;
Autorschaft Erasmus gilt dennoch in der Forschung aus mehreren Gründen als gesichert. Die Ersterscheinung des Dialogs ist mit großer&lt;br /&gt;
Wahrscheinlichkeit 1517, im Jahr also des Thesenanschlag. Die Anhänger der damals entstehenden Reformation sahen in der Schrift eine Waffe&lt;br /&gt;
gegen das Papsttums und die Verweltlichung der Kirche Roms.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 3. Weiterführende Literatur ==&lt;br /&gt;
Zur Einführung J. Huizinga: Erasmus, Basel 1928.&lt;br /&gt;
Zum Dialog: P. Fabisch: Iulius exclusus e coelis. Motive und Tendenzen gallikanischer und bibelhumanistischer Papstkritik im Umfeld des Erasmus. Münster, 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 4. Download ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Gorbs</name></author>
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